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Leitfaden

Private Equity investieren: Zugangswege, Kosten, Risiken

Ein vollständiger Überblick für Privatanleger — welche Wege es gibt, ab welchem Betrag, was sie kosten, wie sie besteuert werden und woran sie scheitern können. Ohne Renditeversprechen.

Private Equity bedeutet: Eigenkapital für Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind. Ein Fonds sammelt Geld von Anlegern, kauft damit Mehrheiten oder große Minderheiten an Unternehmen, arbeitet einige Jahre an diesen Unternehmen und verkauft sie wieder. Was dabei übrig bleibt, wird an die Anleger verteilt. Das ist die ganze Mechanik — alles Weitere sind Varianten davon.

Für Privatanleger war diese Anlageklasse lange praktisch verschlossen. Das hat sich in zwei Schritten geändert: Erst hat der europäische Gesetzgeber mit dem ELTIF eine Produkthülle geschaffen, die ausdrücklich für Privatanleger gedacht ist, und diese Hülle 2023 deutlich geöffnet. Dann haben Anbieter halb-liquide Strukturen gebaut, die niedrigere Mindestbeträge und Rückgabetermine erlauben. Beides hat den Zugang erleichtert, nicht das Risiko verringert.

Diese Seite ist der Überblick. Sie erklärt, welche Wege es gibt, was sie voneinander unterscheidet und in welcher Reihenfolge man die Fragen stellen sollte. Für die Details gibt es eigene Seiten, auf die jeweils verwiesen wird.

Was Private Equity ist — und was es nicht ist

Der Kern ist Eigenkapital, nicht Kredit. Ein Beteiligungsfonds erwirbt Anteile an Unternehmen und trägt damit die volle unternehmerische Chance und das volle unternehmerische Risiko. Er hat keinen Rückzahlungsanspruch, keine Zinszusage und keine Sicherheit. Wird das Unternehmen wertvoller, steigt der Anteil; geht es insolvent, ist der Anteil wertlos, und Eigenkapital wird im Insolvenzverfahren zuletzt bedient.

Die typischen Strategien lassen sich nach dem Reifegrad der Zielunternehmen ordnen. Venture Capital finanziert junge Unternehmen, in denen die Ausfallquote hoch und die Streuung der Ergebnisse extrem ist. Growth finanziert wachsende Unternehmen, die bereits Umsatz machen. Buyout kauft etablierte, meist profitable Unternehmen, häufig unter Einsatz von Fremdkapital, und arbeitet über einige Jahre an Umsatz, Marge und Struktur. Daneben gibt es Sonderformen wie Secondaries, also den Kauf bestehender Fondsanteile aus zweiter Hand, sowie Kreditstrategien, die trotz des Etiketts „Private Markets“ wirtschaftlich Fremdkapital sind und anders zu bewerten sind.

Nicht Private Equity ist alles, was nur so klingt. Ein börsennotierter Beteiligungskonzern ist eine Aktie mit täglichem Kurs. Ein Nachrangdarlehen an ein einzelnes Projekt ist ein Kredit mit Klumpenrisiko. Eine Crowdinvesting-Beteiligung an einem Start-up ist eine Einzelwette ohne die Streuung, die einen Fonds überhaupt tragbar macht. Diese Produkte können sinnvoll sein oder nicht — sie folgen aber anderen Regeln, und die Erfahrungen aus der einen Kategorie gelten nicht in der anderen.

Warum Privatanleger überhaupt Zugang bekommen

Der Zugang ist nicht das Ergebnis eines Marktes, der sich geöffnet hat, sondern einer Regulierung, die sich geändert hat. Drei Regelwerke bestimmen, wer was zeichnen darf.

Die ELTIF-Verordnung. Der European Long-Term Investment Fund ist eine europäische Produkthülle für langfristige Investitionen, eingeführt mit der Verordnung (EU) 2015/760. In der ersten Fassung war sie für Privatanleger unattraktiv: Es galt eine Mindestanlage von 10.000 Euro, und wer ein Finanzportfolio unter 500.000 Euro hatte, durfte höchstens zehn Prozent davon in ELTIFs investieren. Die Überarbeitung durch die Verordnung (EU) 2023/606 hat beide Hürden gestrichen; sie ist seit dem 10. Januar 2024 anwendbar. An ihre Stelle ist eine Geeignetheitsprüfung getreten: Der Vertriebspartner muss beurteilen, ob das Produkt zu Ihren Kenntnissen, Ihrer Risikotragfähigkeit und Ihrem Anlagehorizont passt — und darf es Ihnen andernfalls nicht empfehlen. Ergänzend regeln technische Standards seit Oktober 2024, unter welchen Bedingungen ein ELTIF Rückgaben zulassen darf.

Das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB). Es unterscheidet Privatanleger, semi-professionelle und professionelle Anleger. Für Publikumsfonds gelten strenge Produktvorgaben — etwa Risikomischung und Grenzen für den Einsatz von Fremdkapital. Fonds, die sich ausschließlich an professionelle und semi-professionelle Anleger richten, sind davon weitgehend frei; deshalb sind sie beweglicher und deshalb ist der Zugang an eine Schwelle gebunden. Der semi-professionelle Status nach § 1 Absatz 19 Nummer 33 KAGB setzt insbesondere voraus, dass Sie mindestens 200.000 Euro investieren, schriftlich erklären, sich der Risiken bewusst zu sein, und dass die Kapitalverwaltungsgesellschaft Ihre Sachkunde und Erfahrung beurteilt und Sie über die Folgen warnt.

Die Vertriebsregeln. Unabhängig vom Produkt bestimmt das Aufsichtsrecht, wer beraten und vermitteln darf und welche Unterlagen Sie vorher bekommen müssen — insbesondere ein Basisinformationsblatt mit Kosten- und Risikoangaben. Für Sie praktisch: Verlangen Sie diese Unterlagen früh, nicht am Ende. Wer sie erst nach der Entscheidung herausgibt, hat die Reihenfolge vertauscht.

Die vier Zugangswege im Vergleich

Es gibt nicht „den“ Zugang zu Private Equity, sondern vier, die sich in Mindestbetrag, Liquidität, Kostenebenen und Streuung unterscheiden. Die Wahl zwischen ihnen ist die eigentliche Entscheidung — die Auswahl des einzelnen Fonds kommt danach.

WegEinstieg abLiquiditätStreuungKostenebenen
ELTIFje Anbieter, teils vierstellig, teils SparplanRückgabetermine möglich, begrenztmittel bis hochFonds, ggf. Zielfonds, Depot
Publikums-AIFmittlerer fünfstelliger Bereichkeine, feste Laufzeitgesetzlich vorgegebene MischungFonds, Ausgabeaufschlag, Depot
Dachfondsfünfstellig bis 200.000 €meist keinehoch, viele ZielfondsDachfonds und Zielfonds
Klassische Beteiligungab 200.000 € (semi-professionell)keine, nur Zweitmarktgering, ein FondsFonds
Bandbreiten sind marktüblich, keine Zusagen. Verbindlich ist allein das Basisinformationsblatt des konkreten Produkts.

Der ELTIF ist der Weg mit dem niedrigsten Einstieg. Weil er Rückgaben zulassen darf, wirkt er beweglicher als ein geschlossener Fonds — aber die Beweglichkeit hat eine Grenze, die man kennen muss. Rückgaben sind an Termine, Fristen und eine Obergrenze je Termin gebunden. Details, einschließlich der Frage, wie ein Sparplan mit einer illiquiden Anlage zusammengeht, stehen auf der Seite zum ELTIF.

Der Publikums-AIF ist der klassische deutsche Weg: ein geschlossener Fonds mit fester Laufzeit, der sich an Privatanleger richtet und deshalb gesetzlichen Produktvorgaben unterliegt. Kein Rückgaberecht, dafür eine klare Struktur und eine Prospektpflicht.

Der Dachfonds investiert nicht in Unternehmen, sondern in andere Fonds. Das kauft Streuung über Strategien, Regionen und Jahrgänge — und kostet eine zweite Gebührenebene. Ob dieser Tausch aufgeht, hängt daran, wie hoch die zweite Ebene ist und ob sie Zugang zu Fonds verschafft, die Sie sonst nicht bekämen. Die Rechnung dazu steht auf der Seite über Dachfonds.

Die klassische Beteiligung ist die Zeichnung eines einzelnen institutionellen Fonds — der direkte Weg, mit der geringsten Streuung und der härtesten Bindung. Er setzt in der Regel den semi-professionellen Status und damit mindestens 200.000 Euro voraus.

Ab welchem Betrag was möglich ist

Die häufigste Frage vor allen anderen. Sie hat drei Antworten, weil sich mit dem Betrag nicht nur die Auswahl ändert, sondern die Art der Entscheidung.

Im Bereich ab etwa 10.000 Euro geht es um genau ein Vehikel, meist einen ELTIF oder einen halb-liquiden Publikumsfonds. Streuung entsteht dann nicht durch mehrere Beteiligungen, sondern innerhalb des einen Fonds. Die zentrale Prüffrage ist deshalb nicht „welcher Fonds ist der beste“, sondern „wie breit investiert dieser eine Fonds tatsächlich, und was kostet er über die Haltedauer“. Ausführlich: ab 10.000 Euro.

Ab etwa 50.000 Euro wird eine Aufteilung auf zwei oder drei Vehikel realistisch, und damit die Streuung über Jahrgänge — das ist wichtiger als die Streuung über Strategien, weil der Einstiegszeitpunkt bei dieser Anlageklasse einen erheblichen Teil des Ergebnisses erklärt. Ausführlich: ab 50.000 Euro.

Ab 200.000 Euro steht der semi-professionelle Status zur Wahl. Er öffnet Fonds, die Privatanlegern verschlossen sind, verlangt aber eine bewusste Entscheidung: Mit dem Status entfallen Produktvorgaben, die Sie bisher geschützt haben. Ausführlich: ab 200.000 Euro.

Wie ein Beteiligungsfonds mechanisch funktioniert

Wer die Mechanik kennt, versteht auch die Kostenangaben und die Wertentwicklung in den ersten Jahren. Ein klassischer geschlossener Fonds läuft in fünf Phasen.

Erstens die Zusage. Sie verpflichten sich zu einem Betrag, dem Commitment. Gezahlt wird davon zunächst nichts oder nur ein Teil. Wichtig: Die Zusage ist verbindlich. Kommen Sie einem Abruf nicht nach, sehen die Vertragswerke Verzugsfolgen vor, die bis zum Verlust bereits geleisteter Zahlungen reichen können.

Zweitens die Abrufe. Über etwa drei bis fünf Jahre ruft der Fonds das Kapital in Tranchen ab, wenn er Beteiligungen kauft. Ein Abruf kommt mit kurzer Frist, häufig zehn Bankarbeitstage. Sie brauchen also nicht nur den zugesagten Betrag, sondern über Jahre die Fähigkeit, ihn kurzfristig bereitzustellen — ein Punkt, der in Beratungsgesprächen regelmäßig untergeht.

Drittens die Arbeitsphase. Der Fonds hält und entwickelt die Unternehmen. In dieser Zeit gibt es keinen Marktpreis. Der ausgewiesene Wert ist eine Bewertung, die der Manager nach festgelegten Verfahren feststellt und die geprüft wird — aber sie folgt der Realität mit Verzögerung. Ein Einbruch an den Börsen zeigt sich in den Beteiligungsbewertungen erst Quartale später.

Viertens die Verkäufe. Beteiligungen werden veräußert, an Strategen, an andere Fonds oder über die Börse. Die Erlöse werden verteilt, nach einer im Vertrag festgelegten Rangfolge: zuerst zurück an die Anleger, dann eine Vorzugsverzinsung, dann die Gewinnbeteiligung des Managers.

Fünftens die Abwicklung. Restbeteiligungen werden verkauft, die Struktur aufgelöst. Nicht selten dauert das länger als geplant; Verlängerungen um ein bis drei Jahre sind vertraglich meist vorgesehen.

Aus dieser Mechanik folgt die sogenannte J-Kurve: In den ersten Jahren belasten Kosten und Anlaufaufwand den Wert, während die Wertsteigerung der Unternehmen noch nicht sichtbar ist. Eine negative Entwicklung in den Jahren eins bis drei ist deshalb normal und kein Signal — genauso wenig wie eine positive Entwicklung in dieser Phase ein Erfolg wäre. Beurteilbar ist ein Fonds erst, wenn er begonnen hat, auszuzahlen.

Halb-liquide Vehikel und viele ELTIFs sind anders gebaut: Sie halten eine Liquiditätsreserve, investieren fortlaufend und nehmen Anteile zu festen Terminen zurück. Dafür sind sie nie vollständig investiert, was den Ertrag dämpft, und ihre Rücknahme ist begrenzt. Beide Bauformen haben ihren Preis; nur an unterschiedlichen Stellen.

Was es kostet

Kosten sind bei dieser Anlageklasse der am schlechtesten kommunizierte Teil, und sie entstehen auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Marktüblich sind:

  • eine laufende Verwaltungsgebühr des Fonds, bemessen auf das zugesagte oder das investierte Kapital;
  • eine erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung, die erst oberhalb einer Vorzugsverzinsung anfällt — entscheidend ist, ob diese Schwelle auf das gesamte Ergebnis oder je Einzelbeteiligung gerechnet wird;
  • bei Dachfonds die Gebühren der Zielfonds zusätzlich zur eigenen Ebene;
  • gegebenenfalls ein Ausgabeaufschlag beim Erwerb sowie Depot-, Verwahr- und Abwicklungskosten;
  • Kosten der Struktur selbst — Verwahrstelle, Prüfung, Rechtsberatung, Berichtswesen —, die im laufenden Aufwand stecken.

Wir rechnen Angebote deshalb nicht in Prozent, sondern in Euro über die geplante Haltedauer, und stellen die Summe dem Betrag gegenüber, den Sie einsetzen wollen. Eine Zahl wie „1,8 Prozent im Jahr“ klingt klein; über zehn Jahre auf einen sechsstelligen Betrag ist sie eine mittlere fünfstellige Summe, bevor überhaupt etwas verdient wurde. Die vollständige Aufstellung steht auf der Seite zu Kosten und Gebühren.

Wie Erträge besteuert werden

Für die steuerliche Behandlung ist nicht die Anlagestrategie entscheidend, sondern die Rechtsform der Hülle. Es gibt im Wesentlichen zwei Welten.

Fällt das Vehikel unter das Investmentsteuergesetz — das ist bei vielen ELTIFs und Publikumsfonds der Fall —, werden Ausschüttungen und Veräußerungsgewinne als Kapitaleinkünfte behandelt. Dazu kommt die Vorabpauschale: eine jährlich zu versteuernde Größe für den Fall, dass ein Fonds thesauriert oder wenig ausschüttet, abgeleitet aus einem von der Bundesbank veröffentlichten Basiszins. Ob eine Teilfreistellung greift, hängt davon ab, welchen Anteil des Vermögens der Fonds fortlaufend in Kapitalbeteiligungen im Sinne des Gesetzes hält — bei Beteiligungsstrategien ist das eine Frage der konkreten Fondskonstruktion und keine Selbstverständlichkeit.

Ist das Vehikel eine Personengesellschaft — die klassische Struktur vieler geschlossener Fonds —, werden die Einkünfte den Anlegern direkt zugerechnet. Dann entscheidet die Tätigkeit des Fonds über die Einkunftsart, Sie erhalten eine gesonderte Feststellung und müssen die Einkünfte in Ihrer Erklärung angeben. Das ist mehr Aufwand und in bestimmten Konstellationen günstiger.

Welcher Weg gilt, steht in den Anlagebedingungen und im Verkaufsprospekt. Diese Frage vor der Zeichnung zu klären, ist kein Detail: Sie verändert die Nettorendite und den Erklärungsaufwand für ein Jahrzehnt. Wir bereiten die Unterlagen dafür auf; die steuerliche Beurteilung im Einzelfall gehört zum Steuerberater. Übersicht: Besteuerung von Private Equity.

Was schiefgehen kann

Die folgenden Punkte sind keine theoretischen Randfälle, sondern die Gründe, aus denen Anleger in dieser Anlageklasse Geld verlieren oder unzufrieden werden.

  • Totalverlust. Eigenkapital ohne Sicherheit und ohne Einlagensicherung. Fällt ein Zielunternehmen aus, ist der Anteil daran wertlos; fällt ein zu großer Teil des Portfolios aus, ist die Beteiligung verloren.
  • Bindung. Zehn Jahre und mehr, mit vertraglich möglicher Verlängerung. Wer vorher an das Geld muss, verkauft mit Abschlag — wenn sich ein Käufer findet.
  • Abrufrisiko. Zugesagtes Kapital muss kurzfristig verfügbar sein, über Jahre. Wer nicht liefert, verliert im Extremfall die bereits geleisteten Zahlungen.
  • Blind Pool. Bei der Zeichnung ist meist nicht bekannt, in welche Unternehmen investiert wird. Sie beurteilen einen Prozess und ein Team, nicht ein Portfolio.
  • Bewertungslücke. Der ausgewiesene Wert ist eine Schätzung mit zeitlichem Nachlauf. Er ist kein Preis, zu dem jemand kaufen würde.
  • Kostenschichtung. Mehrere Gebührenebenen können einen großen Teil des Bruttoergebnisses aufbrauchen, ohne dass das in einer einzelnen Prozentangabe sichtbar wird.
  • Streuung der Ergebnisse. Der Unterschied zwischen guten und schlechten Fonds desselben Jahrgangs ist in dieser Anlageklasse groß — größer als bei börsennotierten Anlagen. Die Auswahl entscheidet mehr als der Markt.
  • Rücknahmegrenzen. Bei halb-liquiden Vehikeln kann die Rückgabe gekürzt oder ausgesetzt werden, und zwar genau dann, wenn viele gleichzeitig zurückgeben wollen.

Die vollständige Liste mit Erläuterungen steht auf der Seite zu Risiken. Wir halten sie für die wichtigste Seite dieser Website.

Wie man ein konkretes Angebot prüft

Sobald ein Prospekt auf dem Tisch liegt, verschiebt sich die Arbeit von der Anlageklasse auf das Dokument. Diese Fragen bringen erfahrungsgemäß am meisten:

  • Wie hoch ist die Gesamtkostenbelastung über die geplante Haltedauer, in Euro auf den geplanten Betrag gerechnet — inklusive aller Ebenen?
  • Auf welcher Grundlage wird die Verwaltungsgebühr berechnet: auf das zugesagte oder auf das investierte Kapital?
  • Ab welcher Schwelle fällt die Gewinnbeteiligung an, und wird sie auf das Gesamtergebnis oder je Einzelbeteiligung gerechnet?
  • Wie viele Zielunternehmen oder Zielfonds sind geplant, und was ist die Höchstgrenze für eine einzelne Position?
  • Wie wird bewertet, wie oft, und wer prüft die Bewertung?
  • Welche Rückgabemöglichkeiten gibt es, mit welchen Fristen, welcher Obergrenze je Termin und unter welchen Bedingungen dürfen sie ausgesetzt werden?
  • Wie wird Fremdkapital eingesetzt, auf welcher Ebene, und wie hoch darf es sein?
  • Welche Interessenkonflikte werden im Prospekt offengelegt, und wie werden sie behandelt?

Wir haben diese und weitere Punkte zu einer Liste mit 24 Fragen zusammengestellt, die Sie jedem Anbieter stellen können — auch uns. Sie ist bewusst so geschrieben, dass ausweichende Antworten auffallen: Due-Diligence-Checkliste anfordern.

Vom Entschluss zur Zeichnung: der formale Ablauf

Zwischen „wir nehmen das“ und einer wirksamen Beteiligung liegen mehrere Schritte, die sich nicht abkürzen lassen. Wer sie kennt, kann den Zeitbedarf realistisch planen und erkennt, wenn ein Vertriebsweg einen davon überspringt.

Erstens die Eignungsprüfung. Bevor eine Beteiligung vermittelt oder empfohlen werden darf, sind Kenntnisse, Erfahrungen, finanzielle Verhältnisse und Anlageziele zu erheben und zu dokumentieren. Bei Vehikeln für semi-professionelle Anleger tritt die Prüfung des Status hinzu: Die Kapitalverwaltungsgesellschaft muss beurteilen, ob Sie die Risiken einschätzen können, und Sie müssen schriftlich bestätigen, dass Ihnen die Folgen bewusst sind. Diese Bestätigung ist kein Formalakt — sie verschiebt die Beweislage, falls später gestritten wird.

Zweitens die Anlegerinformationen. Vor der Zeichnung sind Ihnen die gesetzlich vorgeschriebenen Unterlagen zur Verfügung zu stellen: das Basisinformationsblatt mit den standardisierten Kosten- und Risikoangaben, der Verkaufsprospekt beziehungsweise die Anlagebedingungen und die wesentlichen Anlegerinformationen des Vehikels. Verbindlich ist immer das Vertragswerk, nicht die Verkaufspräsentation. Wenn eine Zahl aus einer Präsentation im Prospekt nicht wiederzufinden ist, ist sie nicht zugesagt.

Drittens die Zeichnung selbst. Sie unterschreiben eine Beitrittserklärung oder einen Zeichnungsschein über den zugesagten Betrag. Dabei entscheidet sich auch, in welcher Rolle Sie beteiligt sind: unmittelbar als Gesellschafter, mittelbar über einen Treuhänder, der die Beteiligung für Sie hält, oder — bei Fondsanteilen in Wertpapierform — über die Einbuchung in Ihr Depot. Der Unterschied wirkt technisch, betrifft aber Stimmrechte, Informationsrechte, die Haftung im Außenverhältnis und die Frage, wie eine spätere Übertragung abläuft.

Viertens die Identifizierung. Nach den Geldwäschevorschriften sind Sie zu legitimieren, bei Gesellschaften zusätzlich der wirtschaftlich Berechtigte. Ohne abgeschlossene Legitimation wird keine Zeichnung angenommen und keine Auszahlung geleistet — auch keine spätere.

Fünftens die Annahme. Ihre Zeichnung ist ein Angebot; wirksam wird die Beteiligung erst mit der Annahme durch die Gesellschaft, häufig verbunden mit einer Zuteilung, die geringer ausfallen kann als gezeichnet. Ob und wie lange Sie widerrufen können, hängt von Vertriebsweg und Rechtsform ab; das steht in den Zeichnungsunterlagen und gehört dort gelesen, bevor unterschrieben wird. Ein Widerrufsrecht pauschal zu unterstellen, ist bei dieser Anlageklasse ein Fehler.

Realistisch vergehen zwischen dem ersten Gespräch und einer wirksamen Beteiligung mehrere Wochen, weil Unterlagen geprüft, Fristen eingehalten und Zeichnungstermine des Vehikels abgewartet werden müssen. Zeitdruck ist an dieser Stelle ein Warnsignal: Ein Angebot, das nur heute gilt, beantwortet keine der Fragen weiter oben.

Was nach der Zeichnung an Arbeit bleibt

Eine Beteiligung ist kein Sparbuch, das man einrichtet und liegen lässt. Über die Laufzeit fallen wiederkehrende Aufgaben an, die vor der Entscheidung selten jemand benennt.

  • Abrufe bedienen. Solange die Investitionsphase läuft, müssen Sie kurzfristig zahlungsfähig bleiben. Das heißt praktisch: Der Teil des zugesagten Kapitals, der noch nicht abgerufen ist, gehört nicht in eine Anlage, die selbst gebunden ist.
  • Zahlungen einordnen. Nicht jede Überweisung des Fonds ist ein Ertrag. Ausschüttungen bestehen häufig zu großen Teilen aus zurückgezahltem Kapital. Wer beides gleichsetzt, hält eine Beteiligung für ertragreicher, als sie ist — und wird bei der Steuererklärung überrascht.
  • Berichte lesen. Quartals- und Jahresberichte zeigen die Zusammensetzung des Portfolios, die Bewertungsgrundlagen, die bereits abgerufene Quote und die Kostenbelastung. Wichtiger als der ausgewiesene Wert ist, ob sich die Annahmen verändert haben, unter denen Sie gezeichnet haben.
  • Steuerliche Unterlagen zuordnen. Je nach Rechtsform erhalten Sie eine Steuerbescheinigung oder eine gesonderte und einheitliche Feststellung der Einkünfte, die in Ihre Erklärung gehört. Bei ausländischen Strukturen kommen weitere Meldepflichten in Betracht. Das gehört in die Hand eines Steuerberaters, und zwar ab dem ersten Jahr, nicht erst bei der ersten Auszahlung.
  • Stammdaten pflegen. Adresse, Bankverbindung und Legitimationsnachweise müssen aktuell bleiben. Über zehn Jahre ist das keine Selbstverständlichkeit, und veraltete Daten blockieren Auszahlungen.
  • Erbfall mitdenken. Beteiligungen an Personengesellschaften gehen nicht automatisch wie Wertpapiere über; die Anlagebedingungen regeln, wer nachfolgen kann und was bei mehreren Erben gilt. Wer eine Beteiligung über zehn Jahre hält, sollte diesen Punkt einmal geklärt haben.

Diese Darstellung ersetzt weder Rechts- noch Steuerberatung im Einzelfall und auch nicht die Lektüre der Unterlagen zum konkreten Angebot. Sie soll erreichen, dass Sie beim Lesen wissen, worauf zu achten ist.

Was wir dabei tun

Wir sortieren die Lage, rechnen Angebote in Euro nach, lesen die Bedingungen für Abrufe, Rückgaben und Verlängerungen im Prospekt und benennen, welche Annahmen erfüllt sein müssen, damit eine Beteiligung für Sie aufgeht. Wenn die Antwort lautet, dass in Ihrer Situation keine Beteiligung sinnvoll ist, sagen wir das — das ist kein selten genutzter Ausnahmefall, sondern regelmäßiger Teil der Arbeit.

Wie das abläuft und wie lange es dauert, steht unter Beratung. Wer uns wofür bezahlt, steht vollständig unter Vergütung. Wer die Texte dieser Website verantwortet, steht unter Team.

Häufige Fragen

Ab welchem Betrag kann ich in Private Equity investieren?
Seit der Überarbeitung der ELTIF-Verordnung gibt es für europäische Publikumsvehikel keine gesetzliche Mindestanlage mehr; einzelne Anbieter setzen eigene Mindestbeträge, teils im vierstelligen Bereich, teils mit Sparplan. Für klassische Beteiligungsfonds, die sich an semi-professionelle Anleger richten, gilt eine gesetzliche Schwelle von 200.000 Euro nach dem Kapitalanlagegesetzbuch. Zwischen diesen Polen liegen Publikums-AIF und Dachfonds mit Mindestbeträgen im mittleren fünfstelligen Bereich.
Wie lange ist mein Geld gebunden?
Klassische geschlossene Beteiligungsfonds haben eine Laufzeit von etwa zehn Jahren, verlängerbar um ein bis drei Jahre. Halb-liquide Vehikel und viele ELTIFs sehen Rückgabemöglichkeiten vor, meist quartalsweise, mit Kündigungsfrist und einer Obergrenze für die je Termin zurückgenommene Summe. Diese Obergrenze ist der entscheidende Punkt: Sie greift genau dann, wenn viele gleichzeitig verkaufen wollen.
Kann ich meine Beteiligung vorzeitig verkaufen?
Bei geschlossenen Fonds nur über den Zweitmarkt, in der Regel mit Abschlag auf den zuletzt festgestellten Wert und ohne Gewissheit, überhaupt einen Käufer zu finden. Bei halb-liquiden Vehikeln über das Rücknahmeverfahren des Fonds, begrenzt durch die vereinbarte Rücknahmequote. Beide Wege sind kein Ersatz für eine Liquiditätsreserve.
Was kostet eine Private-Equity-Anlage im Jahr?
Die Kosten entstehen auf mehreren Ebenen: laufende Verwaltungsgebühr des Fonds, bei Dachfonds zusätzlich die Gebühren der Zielfonds, eine erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung oberhalb einer Vorzugsverzinsung, gegebenenfalls ein Ausgabeaufschlag sowie Depot- und Verwahrkosten. Verbindlich ist allein das Basisinformationsblatt des konkreten Produkts. Wir rechnen Angebote auf Euro über die geplante Haltedauer um, weil Prozentangaben die Belastung systematisch harmlos aussehen lassen.
Wie werden Erträge aus Private Equity versteuert?
Das hängt an der Rechtsform des Vehikels. Fällt es unter das Investmentsteuergesetz, greifen Kapitalertragsteuer, Vorabpauschale und gegebenenfalls eine Teilfreistellung. Ist es eine Personengesellschaft, werden die Einkünfte den Anlegern direkt zugerechnet und je nach Einkunftsart besteuert; dann ist eine eigene Erklärung nötig. Welcher Weg gilt, steht in den Anlagebedingungen und im Verkaufsprospekt — und gehört vor der Zeichnung durch einen Steuerberater geprüft.
Kann ich mein Geld vollständig verlieren?
Ja. Eine Beteiligung an nicht börsennotierten Unternehmen ist unternehmerisches Kapital ohne Einlagensicherung und ohne Rückzahlungsanspruch. Ein Totalverlust ist möglich, und bei Vehikeln mit Kapitalabrufen kann zusätzlich die Pflicht bestehen, zugesagtes Kapital nachzuschießen.
Was ist der Unterschied zwischen einem ELTIF und einem geschlossenen Fonds?
Der ELTIF ist eine europäisch geregelte Produkthülle, die ausdrücklich für Privatanleger geöffnet ist und Rückgabemöglichkeiten vorsehen kann. Ein klassischer geschlossener Fonds sammelt einmalig Kapitalzusagen, ruft sie über Jahre ab und zahlt aus, wenn Beteiligungen verkauft werden — ohne Rückgaberecht. Die Anlagestrategie kann in beiden Hüllen dieselbe sein; unterschiedlich sind Zugang, Liquidität und Kostenstruktur.
Brauche ich für Private Equity einen semi-professionellen Status?
Für Publikumsvehikel nicht. Für Fonds, die sich ausschließlich an professionelle und semi-professionelle Anleger richten, ja — dieser Status setzt unter anderem eine Anlage von mindestens 200.000 Euro und eine Prüfung Ihrer Kenntnisse und Erfahrungen durch die Kapitalverwaltungsgesellschaft voraus.
Wie viel meines Vermögens sollte in diese Anlageklasse?
Dazu gibt es keine allgemein richtige Zahl, und wir nennen deshalb keine. Sinnvoll ist die Frage von der anderen Seite: Welcher Betrag darf über zehn Jahre unerreichbar sein, ohne dass eine Reparatur am Haus, ein Einkommensausfall oder eine Pflegesituation zum Problem wird? Dieser Betrag ist die Obergrenze — nicht das Ziel.
Nennen Sie Renditeerwartungen im Gespräch?
Wir nennen keine Erwartungswerte, auch nicht mündlich. Wir zeigen, welche Annahmen ein konkretes Angebot treffen muss, damit es aufgeht, und was passiert, wenn sie nicht eintreten. Historische Marktzahlen nennen wir nur mit Quelle, Erhebungszeitraum und den bekannten Verzerrungen dieser Datenbasis.

Wie es weitergeht

Wenn Sie das mit jemandem durchrechnen wollen

Ein erstes Gespräch dauert etwa 30 Minuten und endet nicht zwangsläufig mit einer Empfehlung. Wenn eine Beteiligung in Ihrer Lage nicht passt, sagen wir das.