Ein Private-Equity-Dachfonds investiert nicht direkt in Unternehmen, sondern in eine Reihe anderer Fonds — die Zielfonds. Mit einer einzigen Zeichnung erwirbt ein Anleger dadurch eine Beteiligung an mehreren Zielfonds gleichzeitig, oft aus unterschiedlichen Jahrgängen, Strategien und Regionen. Das ist der Kern des Angebots: Streuung, die mit einem einzelnen Vehikel allein nicht zu erreichen wäre. Für Anleger, die mit einer einzigen Zeichnung starten, ist das häufig der einzige praktische Weg, über mehrere Zielfonds gleichzeitig zu investieren — eine Direktzeichnung bei jedem einzelnen Zielfonds wäre in der Regel gar nicht zugänglich oder würde ein Vielfaches an Mindestbeträgen voraussetzen.
Diese Streuung hat einen Preis, und der ist strukturell: Auf jeder Ebene — Dachfonds und Zielfonds — fallen eigene Kosten an. Diese Seite ordnet ein, wann der Tausch aufgeht und wann nicht. Den Gesamtüberblick über die Anlageklasse gibt die Leitseite Private Equity investieren.
Was Streuung über Jahrgänge, Strategien und Regionen bedeutet
Ein einzelner Private-Equity-Fonds sammelt Kapital in einem engen Zeitfenster ein und investiert es über einige Jahre — sein Ergebnis hängt damit auch davon ab, in welcher Marktphase dieser Jahrgang investiert und wieder verkauft hat. Ein Dachfonds kann diese Abhängigkeit von einem einzelnen Jahrgang abmildern, indem er Zielfonds unterschiedlicher Auflagejahre kombiniert. Ebenso lässt sich über Strategien streuen — Buyout, Growth, Venture, Private Debt — und über Regionen. Wie stark diese Streuung tatsächlich wirkt, hängt an der konkreten Zusammensetzung: Ein Dachfonds mit sechs Zielfonds aus einem Jahrgang streut anders als einer mit fünfundzwanzig Zielfonds über fünf Jahrgänge. Ein weiterer Effekt der Jahrgangs-Streuung betrifft den typischen Wertverlauf: Weil nicht alle Zielfonds gleichzeitig in ihrer frühen, kostenintensiven Phase stehen, kann sich die anfängliche Wertdelle eines Dachfonds — die sogenannte J-Kurve — insgesamt flacher darstellen als bei einem einzelnen Fonds desselben Jahrgangs.
Die zweite Gebührenebene als Rechnung
Auf der Ebene des Dachfonds fällt in der Regel eine eigene laufende Verwaltungsgebühr an, teils zusätzlich eine Gewinnbeteiligung des Dachfonds-Managements. Auf der Ebene jedes Zielfonds fallen dessen eigene Gebühren an — Verwaltungsgebühr und Gewinnbeteiligung dort erneut. Die folgende Tabelle zeigt eine offen deklarierte Modellrechnung mit konstanten Annahmen: Sie unterstellt eine laufende Gebühr von 1,5 Prozent auf Ebene des Dachfonds und eine durchschnittliche laufende Gebühr von 2,0 Prozent auf Ebene der Zielfonds, jeweils bezogen auf einen konstanten Anlagebetrag von 50.000 Euro, ohne Gewinnbeteiligung und ohne Wertentwicklung.
| Ebene | Satz p. a. | Betrag p. a. | Über 10 Jahre |
|---|---|---|---|
| Dachfonds | 1,5 % | 750 € | 7.500 € |
| Zielfonds (Durchschnitt) | 2,0 % | 1.000 € | 10.000 € |
| Beide Ebenen zusammen | 3,5 % | 1.750 € | 17.500 € |
Ein Einzelfonds mit vergleichbarer laufender Gebühr von 2,0 Prozent käme über zehn Jahre auf 10.000 Euro — die Differenz von 7.500 Euro ist in diesem Modell der Preis der zusätzlichen Streuungsebene, bevor überhaupt ein Ergebnis erzielt wurde. Ob dieser Aufpreis sich lohnt, hängt davon ab, wie viel zusätzliche Streuung die zweite Ebene tatsächlich liefert — nicht von der Kostenzahl allein. Die vollständige Aufstellung aller Kostenebenen mit weiteren Beispielen steht unter Kosten und Gebühren.
Kapitalabrufe: zwei überlagerte Zeitachsen
Ein Anleger sagt dem Dachfonds ein Commitment zu, das dieser wiederum über Kapitalabrufe an seine Zielfonds weiterreicht. Praktisch überlagern sich dabei zwei Zeitachsen: Der Dachfonds selbst ruft Kapital vom Anleger über typischerweise drei bis fünf Jahre ab, und jeder einzelne Zielfonds ruft seinerseits Kapital vom Dachfonds über einen ähnlichen Zeitraum ab. In der Praxis bedeutet das, dass ein Teil des zugesagten Kapitals über Jahre hinweg noch nicht investiert, aber bereits gebunden ist — mit entsprechenden Auswirkungen darauf, wann eine Gebühr auf zugesagtes Kapital tatsächlich zu wirken beginnt. Am Ende der Haltephase folgen Verkäufe und Ausschüttungen aus den Zielfonds, die der Dachfonds an seine Anleger weiterreicht — auch das zeitlich versetzt gegenüber den Ausschüttungen, die jeder Zielfonds selbst vornimmt.
Wann der Tausch aufgeht — und wann nicht
Der Aufpreis für die zweite Ebene ist eher gerechtfertigt, wenn ein Anleger sonst nur Zugang zu einem oder zwei Einzelfonds hätte und der Dachfonds eine deutlich breitere Zusammensetzung bringt, die einzeln gar nicht zeichenbar wäre. Er ist eher fraglich, wenn der Dachfonds selbst nur wenige Zielfonds hält, diese aus ähnlichen Jahrgängen und Strategien stammen, oder wenn ein Anleger ohnehin bereits über mehrere Einzelfonds gestreut ist und der Dachfonds im Wesentlichen dieselbe Streuung noch einmal einkauft — mit einer zusätzlichen Gebühr obendrauf. Auch die Bemessungsgrundlage der Dachfonds-Gebühr spielt hinein: Wird sie auf das zugesagte statt auf das bereits investierte Kapital berechnet, läuft die Gebühr bereits, während die Zusagen bei den Zielfonds noch gar nicht vollständig abgerufen sind.
Die Transparenzfrage
Nicht jeder Dachfonds legt die Kosten der Zielfondsebene in gleicher Klarheit offen. Manche weisen eine geschätzte Gesamtkostenquote über beide Ebenen aus, andere nennen im Verkaufsprospekt nur die eigene Gebühr und verweisen pauschal auf „marktübliche Kosten der Zielfonds“. Diese Unterscheidung lässt sich nur am konkreten Dokument prüfen — sie gehört zu den wichtigsten Fragen vor der Zeichnung. Ein zusätzlicher Punkt ist die Aktualität dieser Angaben: Eine geschätzte Gesamtkostenquote ist naturgemäß eine Schätzung zum Zeitpunkt der Prospekterstellung, keine Ist-Abrechnung — sie kann von den später tatsächlich anfallenden Kosten abweichen.
Prüffragen vor der Zeichnung
- Wie viele Zielfonds hält der Dachfonds heute, wie viele sind für die Zukunft geplant, und aus wie vielen Jahrgängen?
- Wird eine Gesamtkostenquote über beide Ebenen ausgewiesen, oder nur die Gebühr des Dachfonds selbst?
- Erhebt der Dachfonds selbst eine Gewinnbeteiligung zusätzlich zu der jedes Zielfonds — und auf welcher Bemessungsgrundlage?
- Wie stark überschneiden sich die Zielfonds mit Positionen, die im eigenen Depot bereits vorhanden sind?
- Wird die laufende Gebühr des Dachfonds auf das zugesagte oder auf das bereits investierte Kapital berechnet?
Wie sich ein Dachfonds im direkten Vergleich mit einem Zweitmarkt-Ansatz schlägt, der kürzere Laufzeiten und ein bereits sichtbares Portfolio bietet, beschreibt die Seite Secondaries. Manche Anbieter kombinieren beide Ansätze in einem Dachfonds, der sowohl Neuzeichnungen als auch Secondary-Positionen hält — auch dafür gelten dieselben Prüffragen zur Bemessungsgrundlage und zur Offenlegung der Zielfondskosten.
