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Betragsachse

Private Equity ab 200.000 Euro: der semi-professionelle Status

Mit 200.000 Euro öffnet sich eine gesetzliche Kategorie — und mit ihr Fonds, die Privatanlegern verschlossen sind. Der Preis dafür sind Produktvorgaben, die bislang für Sie gegolten haben.

200.000 Euro ist keine Marktkonvention, sondern eine gesetzliche Schwelle. Sie steht in § 1 Absatz 19 Nummer 33 des Kapitalanlagegesetzbuchs und beschreibt, wann ein Anleger als semi-professionell gilt. Diese Einstufung ist der Zugangsschlüssel zu Fonds, die keine Publikumsfonds sind — und der Verzicht auf Vorgaben, die Publikumsfonds erfüllen müssen. Beides gehört zusammen und wird auf dieser Seite getrennt dargestellt. Den Überblick über die Anlageklasse gibt die Leitseite Private Equity investieren.

Was das Gesetz verlangt

Der semi-professionelle Status entsteht nicht durch Erklärung des Anlegers allein. Es müssen mehrere Voraussetzungen zusammenkommen:

  • eine Anlage von mindestens 200.000 Euro in den jeweiligen Fonds;
  • eine schriftliche Erklärung des Anlegers, dass ihm die Risiken der beabsichtigten Verpflichtung oder Investition bewusst sind — getrennt vom Vertrag selbst;
  • eine Beurteilung von Sachkunde, Erfahrungen und Kenntnissen des Anlegers durch die Kapitalverwaltungsgesellschaft oder die vertreibende Stelle, unter Berücksichtigung der Art der geplanten Verpflichtung;
  • eine schriftliche Bestätigung dieser Beurteilung und ein Hinweis auf die Folgen der Einstufung.

Die Einstufung gilt gegenüber der Gesellschaft, bei der sie erfolgt, und für die konkrete Anlage — nicht als allgemeiner Status, der überall vorzeigbar wäre. Lassen Sie sich deshalb geben, was das Gesetz vorsieht: die Beurteilung, die Bestätigung und den Hinweis. Wenn ein Anbieter diese Schritte als Formalie abkürzt, ist das ein Befund über den Anbieter.

Was sich damit öffnet

Zugänglich werden Fonds, die sich ausschließlich an professionelle und semi-professionelle Anleger richten — im deutschen Recht Spezial-AIF, international die klassischen institutionellen Beteiligungsfonds. Praktisch bedeutet das drei Unterschiede.

MerkmalPublikumsvehikelFonds für semi-professionelle Anleger
Produktvorgabengesetzlich, u. a. Risikomischung und Fremdkapitalgrenzenweitgehend vertraglich statt gesetzlich
Konzentrationbegrenztmöglich, teils gewollt
Rückgabeje Vehikel, teils mit Terminenin der Regel keine, nur Zweitmarkt
Kostenebenenhäufig zwei (Vehikel und Zielfonds)häufig eine
Berichtestandardisiertausführlicher, aber weniger vergleichbar
Gegenüberstellung der Bauformen. Konkrete Konditionen und Vorgaben stehen in den Anlagebedingungen des jeweiligen Fonds.

Die wegfallende zweite Kostenebene ist der am seltensten genannte und einer der greifbarsten Vorteile: Eine Beteiligung ohne Dachfondsschicht spart über zehn Jahre eine ganze Gebührenebene. Was das in Euro bedeutet, steht unter Kosten und Gebühren.

Was Sie dafür abgeben

Die Produktvorgaben für Publikumsfonds sind kein Formalismus, sondern der Grund, warum diese Fonds nicht beliebig konzentrieren und nicht beliebig mit Fremdkapital arbeiten dürfen. Fällt diese Ebene weg, treten an ihre Stelle die Anlagebedingungen des einzelnen Fonds — und die sind verhandelbar, unterschiedlich und teils weit gefasst. Damit verschiebt sich die Prüfarbeit vom Gesetz zum Vertrag: Was früher der Gesetzgeber begrenzt hat, müssen Sie im Dokument nachlesen.

Die Liquiditätsfrage wird härter, nicht weicher

Klassische Beteiligungsfonds haben kein Rückgaberecht. Kapital wird über drei bis fünf Jahre in Tranchen abgerufen, häufig mit einer Frist von etwa zehn Bankarbeitstagen; die Gesamtlaufzeit liegt bei rund zehn Jahren und kann vertraglich um ein bis drei Jahre verlängert werden. Vorzeitig aussteigen heißt: über den Zweitmarkt verkaufen, in der Regel mit Abschlag und ohne Gewissheit, einen Käufer zu finden.

Deshalb ist der wichtigste Satz dieser Seite nicht rechtlich, sondern arithmetisch: Die 200.000 Euro dürfen nicht das verfügbare Vermögen sein, sondern ein Teil davon. Wer die Schwelle nur erreicht, indem er alles einsetzt, verliert die Fähigkeit, über Jahrgänge zu streuen und Kapitalabrufe ohne Zwangsverkäufe zu bedienen — und tauscht damit einen kleinen Zugangsvorteil gegen ein großes Klumpenrisiko.

Wie wir in diesem Bereich arbeiten

Wir lesen die Anlagebedingungen und den Prospekt auf die oben genannten Punkte, wir rechnen die Kosten in Euro über die geplante Haltedauer, wir stellen die offenen Kapitalzusagen aller Beteiligungen in einer Übersicht zusammen und wir sagen es, wenn eine Einstufung als semi-professioneller Anleger in Ihrer Lage nicht sinnvoll ist. Wie das abläuft, steht unter Beratung; wer uns wofür bezahlt, vollständig unter Vergütung.

Die Risiken gelten in diesem Bereich unverändert und in Teilen verstärkt: Risiken. Zur steuerlichen Behandlung — die bei Personengesellschaften anders läuft als bei Fonds unter dem Investmentsteuergesetz — Besteuerung.

Häufige Fragen

Was genau ist ein semi-professioneller Anleger?
Eine Anlegerkategorie des Kapitalanlagegesetzbuchs. Nach § 1 Absatz 19 Nummer 33 KAGB muss unter anderem eine Anlage von mindestens 200.000 Euro erfolgen, der Anleger schriftlich erklären, sich der Risiken bewusst zu sein, und die Kapitalverwaltungsgesellschaft seine Sachkunde und Erfahrung beurteilen; auf die Folgen der Einstufung ist hinzuweisen. Die Einstufung gilt gegenüber der jeweiligen Gesellschaft, nicht pauschal für den gesamten Markt.
Werde ich damit automatisch zum professionellen Anleger?
Nein. Semi-professionell ist eine eigene, deutsche Kategorie zwischen Privatanleger und professionellem Anleger. Sie öffnet Fonds, die keine Publikumsfonds sind, ändert aber nicht Ihre Einstufung im Wertpapiergeschäft insgesamt.
Welche Schutzvorschriften entfallen?
Fonds, die sich nicht an Privatanleger richten, unterliegen nicht den Produktvorgaben für Publikumsfonds — etwa Vorgaben zur Risikomischung und Grenzen für den Einsatz von Fremdkapital. Genau diese Freiheit ist der Grund, warum solche Fonds anders investieren können; sie ist gleichzeitig der Grund, warum die Zugangsschwelle existiert.
Muss ich die 200.000 Euro sofort überweisen?
In der Regel nicht. Die Schwelle bezieht sich auf die Anlage beziehungsweise Zusage; abgerufen wird sie über Jahre in Tranchen. Genau das macht sie anspruchsvoll: Sie tragen eine offene Verpflichtung über Jahre, die kurzfristig fällig werden kann.
Lohnt sich der Status, wenn ich genau 200.000 Euro habe?
Dann meist nicht. Wer die Schwelle mit dem gesamten verfügbaren Vermögen erreicht, verliert die Fähigkeit, über Jahrgänge zu streuen und Kapitalabrufe komfortabel zu bedienen. Der Status ist sinnvoll, wenn die 200.000 Euro ein Teil des Vermögens sind, nicht sein Umfang.
Kann ich die Einstufung zurücknehmen?
Die Einstufung betrifft die konkrete Anlage bei der konkreten Gesellschaft; bereits gezeichnete Beteiligungen bleiben davon unberührt und laufen unter den vereinbarten Bedingungen weiter. Wie eine Rückkehr in die Privatanleger-Einstufung praktisch abläuft, regelt die jeweilige Gesellschaft — das ist eine der Fragen, die vor der Zeichnung schriftlich geklärt gehören.

Wie es weitergeht

Wenn Sie das mit jemandem durchrechnen wollen

Ein erstes Gespräch dauert etwa 30 Minuten und endet nicht zwangsläufig mit einer Empfehlung. Wenn eine Beteiligung in Ihrer Lage nicht passt, sagen wir das.