Wir halten diese Seite für die wichtigste dieser Website. Nicht, weil Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen grundsätzlich schlecht wären, sondern weil sie in einer Weise schiefgehen können, die bei börsennotierten Anlagen nicht vorkommt: Man kann nicht aussteigen, man erfährt Probleme mit Verzögerung, und man kann zur Zahlung verpflichtet sein, wenn es am ungünstigsten ist.
Jeder Punkt unten benennt zuerst das Risiko, dann was es praktisch bedeutet, dann woran man es im Prospekt erkennt. Den Überblick über die Anlageklasse gibt die Leitseite Private Equity investieren.
Totalverlust
Sie stellen Eigenkapital zur Verfügung. Es gibt keine Einlagensicherung, keinen Rückzahlungsanspruch, keine Zinszusage und keine Sicherheit. Wird ein Zielunternehmen insolvent, wird Eigenkapital im Verfahren zuletzt bedient — meist bleibt nichts. Ein Fonds verteilt dieses Risiko über mehrere Unternehmen, beseitigt es aber nicht: Fällt ein zu großer Teil des Portfolios aus, ist die Beteiligung verloren.
Im Prospekt erkennbar an: der Zahl der geplanten Zielunternehmen, der Höchstgrenze je Position, dem Einsatz von Fremdkapital auf Unternehmensebene.
Kapitalabrufe und Verzugsfolgen
Bei Vehikeln mit Kapitalzusage zahlen Sie nicht einmalig, sondern verpflichten sich zu einem Betrag, den der Fonds über drei bis fünf Jahre in Tranchen abruft — häufig mit einer Frist von etwa zehn Bankarbeitstagen. Bis zum letzten Abruf tragen Sie eine offene Verbindlichkeit, die kurzfristig fällig werden kann.
Bindung über zehn Jahre — und länger
Die geplante Laufzeit klassischer Beteiligungsfonds liegt bei etwa zehn Jahren. Verlängerungen um ein bis drei Jahre sind in den Anlagebedingungen meist ausdrücklich vorgesehen und kommen vor. Ein Rückgaberecht gibt es nicht; wer vorher aussteigen will, ist auf den Zweitmarkt angewiesen — in der Regel mit Abschlag auf den zuletzt festgestellten Wert und ohne Gewissheit, überhaupt einen Käufer zu finden.
Im Prospekt erkennbar an: Laufzeit, Verlängerungsoptionen und wer über sie entscheidet, Regelungen zur Übertragbarkeit von Anteilen.
Rücknahmegrenzen bei halb-liquiden Vehikeln
Vehikel mit Rückgabemöglichkeit binden das Kapital zunächst für eine Sperrfrist, nehmen danach nur zu bestimmten Terminen zurück, verlangen eine Kündigungsfrist und begrenzen die je Termin insgesamt zurückgenommene Summe. Wird die Grenze erreicht, wird gequotet; unter bestimmten Bedingungen darf die Rücknahme ausgesetzt werden.
Diese Begrenzung ist nicht die Ausnahme vom Normalfall, sondern der Zweck der Konstruktion: Sie schützt den Fonds davor, in einem schwachen Markt Beteiligungen verkaufen zu müssen. Für Sie heißt das: Das Rückgaberecht wirkt am schlechtesten, wenn Sie es am dringendsten brauchen.
Blind Pool
Bei der Zeichnung steht in der Regel nicht fest, in welche Unternehmen investiert wird. Sie beurteilen einen Prozess, ein Team und eine Strategie, nicht ein Portfolio. Das ist bei dieser Anlageklasse systembedingt — es verschiebt die Prüfarbeit aber vollständig auf die Frage, wie Entscheidungen zustande kommen, wer sie trifft und welche Grenzen der Vertrag setzt.
Bewertungslücke
Es gibt keinen Marktpreis. Der ausgewiesene Wert ist eine Bewertung nach festgelegten Verfahren, in der Regel geprüft, aber der Realität zeitlich nachlaufend: Ein Einbruch an den Börsen zeigt sich in Beteiligungsbewertungen häufig erst Quartale später. Zwei Folgen daraus sind wichtig. Erstens ist der ausgewiesene Wert kein Preis, zu dem jemand kaufen würde. Zweitens ist die geringere ausgewiesene Schwankung ein Effekt der Bewertungsmethode und kein geringeres Risiko — wer sie als Stabilität liest, hat einen Messfehler für eine Eigenschaft genommen.
Fremdkapital auf zwei Ebenen
Fremdkapital kann auf Unternehmensebene eingesetzt werden — der Regelfall bei Buyout-Strategien — und zusätzlich auf Fondsebene, etwa zur Vorfinanzierung von Kapitalabrufen. Beides verstärkt Gewinne und Verluste. Steigende Finanzierungskosten treffen hoch verschuldete Unternehmen zuerst, und zwar unabhängig davon, wie gut das Geschäft läuft.
Im Prospekt erkennbar an: zulässiger Fremdkapitalquote auf Fondsebene, Angaben zur typischen Kapitalstruktur der Zielunternehmen.
Konzentration und Managerrisiko
Der Unterschied zwischen guten und schlechten Fonds desselben Jahrgangs ist in dieser Anlageklasse groß — deutlich größer als bei börsennotierten Anlagen. Die Auswahl entscheidet damit mehr als der Markt. Hinzu kommt die Abhängigkeit von wenigen Personen: Verlässt ein prägendes Teammitglied das Haus, ändert sich die Grundlage der Entscheidung. Manche Verträge sehen dafür Regelungen vor, andere nicht.
Kostenschichtung
Verwaltungsgebühr, Gebühren der Zielfonds, erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung, Ausgabeaufschlag, Depot- und Verwahrkosten, Strukturkosten: Mehrere Ebenen wirken gleichzeitig, und keine einzelne Prozentangabe zeigt die Summe. Über zehn Jahre kann die Belastung einen großen Teil des Bruttoergebnisses aufbrauchen. Die Aufstellung aller Ebenen steht unter Kosten und Gebühren.
Steuerliche und regulatorische Änderungen
Bei einer Bindung von zehn Jahren ist mit Änderungen zu rechnen — im Steuerrecht, im Aufsichtsrecht und in der Behandlung einzelner Fondskonstruktionen. Anders als bei Wertpapieren können Sie darauf nicht durch Verkauf reagieren. Was heute gilt, steht unter Besteuerung.
Währung und Berichtszyklus
Viele Vehikel investieren außerhalb des Euroraums; Wechselkursänderungen wirken auf das Ergebnis, teils erheblich, und werden nicht immer abgesichert. Zugleich berichten Beteiligungsfonds quartalsweise oder halbjährlich, oft mit Wochen Verzug. Sie erfahren von Problemen später als bei einer börsennotierten Anlage — und in einer Form, die sich schwer mit anderen Anlagen vergleichen lässt.
Was daraus folgt
Nicht, dass diese Anlageklasse zu meiden wäre. Sondern dass drei Fragen vor der Produktfrage stehen: Welcher Betrag darf zehn Jahre unerreichbar sein? Können offene Kapitalzusagen über Jahre jederzeit bedient werden, ohne etwas verkaufen zu müssen? Und bleibt die Lage tragbar, wenn die Beteiligung am Ende weniger wert ist als der Einsatz? Wer diese drei Fragen beantwortet hat, kann über Produkte sprechen. Wer sie nicht beantwortet hat, sollte es nicht.
Welche Fragen ein Anbieter dazu beantworten muss, steht in unserer Due-Diligence-Checkliste mit 24 Fragen — sie ist so geschrieben, dass ausweichende Antworten auffallen.
