Der Sprung von einem fünfstelligen Einstieg auf einen mittleren fünfstelligen Betrag verändert die Frage. Bei 10.000 Euro geht es darum, ein Vehikel richtig auszuwählen. Ab etwa 50.000 Euro geht es darum, wie Sie den Betrag aufteilen — auf Vehikel, auf Anbieter und vor allem auf Zeitpunkte. Diese Seite beschreibt die drei Achsen, ihre Reihenfolge und den Preis, den jede kostet. Der Überblick über die Anlageklasse steht auf der Leitseite Private Equity investieren.
Drei Achsen der Aufteilung — in dieser Reihenfolge
Erstens der Jahrgang. Der Zeitpunkt, zu dem ein Fonds sein Kapital investiert, prägt sein Ergebnis stark, weil er über Einkaufspreise, Finanzierungs- bedingungen und das Marktumfeld beim späteren Verkauf entscheidet. Wer alles in einem Jahr zeichnet, setzt auf einen Jahrgang. Wer über drei bis vier Jahre zeichnet, hat mehrere — das ist die wirksamste Streuung, die in diesem Betragsbereich verfügbar ist, und sie kostet nichts außer Geduld.
Zweitens der Anbieter. Zwei Häuser statt eines verringern das Risiko, dass ein einzelner Prozess, ein einzelnes Team oder eine einzelne Fehleinschätzung Ihr Ergebnis bestimmt. Das ist ein echter Gewinn, solange der zweite Anbieter nicht deutlich teurer ist.
Drittens die Strategie. Buyout, Growth, Secondaries, Kredit — die Mischung ist die am häufigsten diskutierte und die am wenigsten wirksame Achse in diesem Betragsbereich, weil moderne Publikumsvehikel intern bereits mischen. Wer zusätzlich mischt, verdoppelt oft nur, was er schon hat.
Was in diesem Bereich zusätzlich zugänglich wird
Über die ELTIFs und halb-liquiden Publikumsfonds hinaus, die schon ab kleineren Beträgen offen sind, kommen zwei Bauformen hinzu: Publikums-AIF mit fester Laufzeit, deren Mindestbeteiligung häufig im mittleren fünfstelligen Bereich liegt, und Dachfonds für Privatanleger, die über viele Zielfonds investieren und dafür eine zweite Gebührenebene verlangen. Klassische institutionelle Fonds bleiben verschlossen; sie setzen den semi-professionellen Status voraus.
| Bauform | typischer Einstieg | Rückgabe | Kostenebenen |
|---|---|---|---|
| ELTIF / halb-liquide | vierstellig bis fünfstellig | Termine mit Obergrenze | Fonds, ggf. Zielfonds, Depot |
| Publikums-AIF | mittlerer fünfstelliger Bereich | keine, feste Laufzeit | Fonds, Ausgabeaufschlag, Depot |
| Dachfonds | fünfstellig | meist keine | Dachfonds und Zielfonds |
Ob die zweite Gebührenebene eines Dachfonds ihren Preis wert ist, lässt sich rechnen; die Rechnung steht unter Dachfonds. Alle Kostenebenen im Einzelnen: Kosten und Gebühren.
Offene Kapitalzusagen sind eine Verbindlichkeit
Der Punkt, der in diesem Betragsbereich am häufigsten unterschätzt wird. Wenn Sie 50.000 Euro zusagen, zahlen Sie nicht 50.000 Euro ein — Sie verpflichten sich zu einem Betrag, den der Fonds über Jahre in Tranchen abruft, häufig mit einer Frist von etwa zehn Bankarbeitstagen. Solange nicht alles abgerufen ist, tragen Sie eine offene Verpflichtung, die jederzeit fällig werden kann.
Praktisch bedeutet das: Wer über mehrere Jahre in mehreren Vehikeln zeichnet, hat mehrere offene Zusagen gleichzeitig. Führen Sie sie in einer einzigen Übersicht mit Betrag, bereits abgerufenem Anteil und Restverpflichtung. Ohne diese Übersicht ist die Aufteilung auf mehrere Vehikel kein Gewinn, sondern eine Unübersichtlichkeit.
Die Rechnung, die vor der Produktauswahl kommt
Bevor ein Prospekt geöffnet wird, sind drei Zahlen zu bestimmen. Erstens der Betrag, der über zehn Jahre und länger nicht gebraucht wird — nicht der Betrag, der gerade frei ist. Zweitens die Reserve, die unabhängig davon bestehen bleibt, für Reparaturen, Einkommensausfall und Unvorhergesehenes. Drittens die Summe, die pro Jahr für Kapitalabrufe verfügbar sein muss, wenn über mehrere Jahre gezeichnet wird.
Erst wenn diese drei Zahlen stehen, ist die Frage nach dem Produkt sinnvoll. In umgekehrter Reihenfolge entsteht regelmäßig der Fall, den wir am häufigsten sehen: eine Beteiligung, die für sich vertretbar ist, aber in der Haushaltslage des Anlegers nicht getragen werden kann.
Wann der nächste Schritt sinnvoll ist
Der Sprung auf 200.000 Euro öffnet den semi-professionellen Status und damit Fonds, die Privatanlegern verschlossen bleiben. Er ist aber keine Stufe, die man erklimmt, sondern eine Schwelle, die man entweder ohnehin überschreitet oder nicht. Eine Beteiligung aufzustocken, um eine Zugangsschwelle zu erreichen, ist der klassische Fehler in dieser Anlageklasse — weil dabei die Liquiditätsfrage der Produktfrage geopfert wird.
Was in jedem Betragsbereich unverändert gilt, steht unter Risiken. Wie ein konkretes Angebot geprüft wird, steht in unserer Due-Diligence-Checkliste mit 24 Fragen.
